Der literarisch-historische Ursprung der Artussage
Der literarisch-historische Ursprung der Artussage

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Lancelots Stille

Deutsche Autoren des Hochmittelalters

Hartmann von Aue

wurde um 1165 geboren und starb um 1210. „Hartmann bezeichnete sich selbst als gelehrten Dichter aus dem Ritterstand; er war Ministeriale eines freiherrschenden Geschlechts von Aue. Beim Tod seines Herrn legte er ein Gelübde ab, am Kreuzzug (entweder 1189/90 oder 1197/98) teilzunehmen. Dabei überwand er seine Lebenskrise und wandte sich – auch als Dichter – wieder der Welt zu. Hartmann war Minnesänger und bedeutender Epiker nach französischem Vorbild, mit klarem, rhetorisch geprägtem Versstil. [1]

Um 1180/ 85 schrieb Hartmann den „Erec“, ein höfisches Epos  und der erste deutsche Artusroman. Als Quelle diente Hartmann der höfische Roman „Erec“ des Franzosen Chrétien de Troyes (um 1160).
Es geht hier um das „Problem eines Ritters, der über dem ehelichen Glück die ritterliche Ehre vergisst, der sich „verliget“ und durch die Liebe und Treue seiner Frau Enite wieder zum Ausgleich, zur „mâze“ zurückgeführt wird. Der Ritter gerät, als er nur seinem individuellen Lebensgefühl folgt, in Konflikt mit der Gesellschaft, deren Billigung der Maßstab für den Wert eines Menschen ist.“
[2]

Um 1200 entstand „Iwein“. Dieses höfisch Epos ist der zweite Artusroman und auch hier ist die Quelle ein höfisches Epos von Chrétien den Troyes, nämlich dessen "Yvain“.
Inhaltlich ist es das Gegenstück zum „Erec“: „Dieser Ritter vergisst über seinen Abenteuern seine Frau. In einer Reihe von Bewährungsproben muss er die gebrochene Treue büßen, bevor er das Vertrauen des Artushofes erlangt und die Liebe seiner Frau zurückgewinnt.“
[3]

 

Ulich von Zatzikhoven

Von ihm ist nicht mehr bekannt, als dass er aus Zätzukon in der Schweiz stammt, bzw. dort lebte.
1195/1200 schrieb Ulrich seinen „Lanzelet“. Die Quelle des „Lanzelet“ ist ein verlorenes französisches Epos, das auf eine keltische Totenreichfabel zurückgeht. Das „buoch“ gehörte einem als Geisel am Hof Heinrich IV. lebenden englischen Adligen.
„Es handelt sich hier um eine zur Artusdichtung gehörige Geschichte eines fern vom Hofe in einem Feenreich erzogenen Ritters, der erst auf seinen Ritterfahrten seinen Namen und seine Herkunft erfährt (Ähnlichkeit mit der Jugend-Geschichte Parzivals). Lanzelet ist der strahlende „wîpsaelege“ Held, der aber schließlich zu seiner Gattin Iblis zurückfindet und bis an sein seliges Ende sein Reich regiert. Das für die späteren französischen und deutschen Lanzelot-Epen zentrale Motiv, Lanzelots ehebrecherische Liebe zu Artus´ Frau Ginover, fehlt.“
[4]

 

Wolfram von Eschenbach

wurde um 1170 in Mittelfranken, nahe Ansbach, geboren (heute: Wolframeschenbach) und starb um 1220 in Eschenbach. Er war Ritter ohne eigenen Besitz. Seine Jugend fiel in die ruhmreiche Zeit des ersten staufischen Kaisers Friedrich I. Seine große Schaffenszeit fiel in die Jahre des Kampfes zwischen dem Staufer Philipp und dem Welfen Otto, in dem er als Ritter mitkämpfte.
Wolfram hatte zunächst seinen Unterhalt als fahrender Ritter verdient, vor allem im Main-Odenwald-Gebiet. Er lebte längere Zeit in der Steiermark bis er als Ministeriale des Grafen Beppo von Wertheim in Eschenbach sesshaft wurde. Seit 1203 lebte er am Hofe Hermanns von Thüringen, wo er wahrscheinlich mit Walther von der Vogelweide zusammentraf, welcher später wieder in seiner Heimat lebte. Wolfram von Eschenbach war verheiratet und hatte Kinder. Er war der populärste deutsche Ritterepiker des Mittelalters. Nach eigener Angabe wurde das 5. Buch des Parzival in einem Orte Wildenberg verfasst.
[5]

„Wolfram von Eschenbach war der populärste deutsche Ritterepiker des Mittelalters. Sein bedeutendstes Werk, die Umdichtung des unvollendeten Romans von Chrétien über Perceval, den er "Parzival" nennt, entstand etwa zwischen 1200 und 1210. Das Werk umfasst nahezu 25000 Verse und existiert in 24 Handschriften und einigen Bruchstücken.“ [6]
„Der Parzivalroman ist die Geschichte vom mystischen Glaubensgeheimnis eines Gegenstandes, des Grals, und enthält stoffliche Elemente von Märchen-, Grals- und Artussage. Bei Chrétien begegnen wir dem Gral als Kelch, bei Wolfram als wundersamem  Edelstein. Parzival erlebt bei Wolfram das Wunder der geistigen Glaubensbekehrung, seine Liebe führt zur ehelichen Vereinigung, er wird Anführer der Gralsritter – und doch tritt Parzival in langen Partien von Wolframs Werk gar nicht auf, zur Hauptgestalt wird darin der Ritter Gâwân, der den weltlichen Ritter verkörpert.“ [7]
„Der Gral, verknüpft mit der Legende von Joseph von Arimathia, ist der Tradition nach ein christlich-eucharistisches Kultgefäß, bei Wolfram ein lebensspendender, himmelverbundener Stein. (siehe auch Gral und keltischer Kessel)
Die Jugendgeschichte Parzivals ist ein keltisches Dümmlingsmärchen.“ […] Sein Lebensweg führt über drei Stufen von kindlicher Unschuld über schuldhaftes Versagen zur Reue und ist „analog zur Heilsgeschichte geführt: paradiesische Unschuld, Sündenfall, Erlösung. Parzival ist nicht Individuum im Sinne des modernen Entwicklungsromans, sondern ist jeweils Repräsentant eine Entwicklungsstufe der Menschheit, wird nach theologischem Plan bewegt. Die Vorbildlichkeit der Artus-Ritter (Gawan) ist durch das Gralsrittertum überwunden. Dieses erhöhte geistliche Rittertum ist nicht mönchisch weltverneinend, sondern heilig und weltlich zugleich.“
[8]
„Die Mabinogion-Erzählung Peredur, Sohn des Evrawg, stellt eine Parallele, in mancher Beziehung eine Vorläuferin zum Parzival dar.“ […] „Sowohl Chrétien de Troyes Peceval als auch Wolfram von Eschenbachs Parzival erzählen grundsätzlich dieselbe Geschichte wie Peredur, dessen Titelfigur absichtlich von der höfischen Welt ferngehalten und in einem langen und schmerzlichen Lernprozess zum Ritter wird.“ [9]

Nach 1215 entsteht Wolframs Titurel. Hier erzählt er die Familiengeschichte Parzivals nach rückwärts erweitert. Das Werk ist unvollendet und wird um 1270 in „Der jüngere Titurel“ von einem Verfasser fortgesetzt, dessen Identität nicht feststeht.

 

Gottfried von Straßburg

Er lebte von der Mitte bis zum Ende des 12. Jahrhunderts bis Anfang des 13. Jahrhunderts. Über sein Leben ist kaum etwas bekannt – die wenigen Daten sind durch Rückschlüsse nur mittelbar gewonnen. Als Stadtbürger in Straßburg war er umfassend gebildet und wurde als Gelehrter „Meister“ genannt. Anzunehmen sind Verbindungen zur adligen Gesellschaft und wohl auch zum bischöflichen Hof.
Gottfried repräsentiert zum ersten Mal den neuen Typus des selbstbewussten, sich nun auch kulturell emanzipierenden Stadtbürgers, der neben Ritterstand und Stadtadel in der Gesellschaftshierarchie seinen Platz fordert.
Gottfried ist neben Hartmann und Wolfram der dritte große Epiker der mittelalterlich-höfischen Literatur.

1200/ 1210 schrieb Gottfried "Tristan und Isolt".
Das höfische Epos und wurde von Gottfried zunächst anonym geschrieben. Gottfrieds Urheberschaft wurde durch Erwähnungen bei anderen Autoren seiner Zeit erschlossen. Das Werk blieb mit seinen 19552 Versen Fragment.
[10]
„Gottfried lag die französische Fassung des Thomas von Britanje vor, jedoch hat der Stoff bei Gottfried verfeinerte und vergeistigte Züge angenommen.“ [11]
Die Quellen der Tristan-Sage sind die im irischen „Fionn-Kreis“ aus dem 9. Jahrhundert enthaltenen Geschichten von „Noisiu und Deirdre“ und „Diarmuid und Gráinne“ sowie die kymrische Erzählung  „Drystan fab Tallwch“.  
Die Weiterführung der Handlung haben Gottfrieds Fortsetzer Ulrich von Türheim (1240) und Heinrich von Freiberg (1285) versucht. Sie ist aber vor allem aus dem „Tristrant“ des Eilhart von Oberge und aus Thomas von Britanjes Epos bekannt.
Tristan und Isolt ist – gemäß der Quelle -das einzige höfische Epos mit tragischem Ausgang.
„Man kann die Auflösung der geordneten ritterlich-höfischen Gesellschaft hier bereits erkennen: Die Macht der Leidenschaft drängt höfische und religiöse Normen in den Hintergrund.“
[12]

 zu Eilhardt von Oberge:

 

Er war aus braunschweigerischem Ministerialengeschlecht und lebte in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts.  

Tristrant und Isaldeverfasste er um 1170. Das Original ist in drei Handschriftenfragmenten (ca. 1000 Verse) aus dem späten 12. und frühen 13. Jahrhundert überliefert. Die Quelle war der französische Text „Estoire“ (um 1150), der verloren ist und wohl der erhaltenen Fassung des Franzosen Bérol (um 1180) nahe stand. Im Übrigen ist es ein keltischer Sagenstoff, anknüpfend an den historischen König Marc von Cornwall im 6. Jahrhundert.
Der Text ist als Ganzes nur in einer Überarbeitung des 13. Jahrhunderts erhalten.
[13]

 

 


[1] Baumann/ Oberle (1985, S. 36)

[2] Frenzel (1982, S. 34)

[3] Baumann/Oberle (1985, S. 25)

[4] Frenzel (1982, S. 37)

[5] vgl. Die dt. Lit. in Text u. Darstellung (1976, 212 f.)

[6] Zmegac, Skreb, Seculic (1984, S. 35)

[7] Zmegac, Skreb, Seculic (1984, S. 36)

[8] Frenzel (1982, S. 41)

[9]  Botheroyd (1992, S. 267)

[10] vgl. Die dt. Lit. in Text u. Darstellung (1976, S. 299)

[11] vgl. Die dt. Lit. in Text u. Darstellung (1976, S. 299)

[12] Baumann/ Oberle (1985, S. 26)

[13] vgl. Frenzel (1982, S. 30)

 

 

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© Sabine Speer