Der literarisch-historische Ursprung der Artussage
Der literarisch-historische Ursprung der Artussage

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Lancelots Stille

Prosa-Lanzelot/ Vulgata-Zyklus

Lancelot findet in den frühen keltischen Erzählungen wie auch bei Geoffrey von Monmouth noch keine Erwähnung. Zum ersten Mal hören wir durch Chrétien de Troyes von ihm, der ihn wahrscheinlich durch überlieferte Erzählungen aus dem Bretonischen kennengelernt hat. Auch Ulrich von Zatzikhofen könnte sich dieser Quelle bedient haben. Das Thema des Jünglings, der sich in eine verheiratete Königin verliebt, ist in der keltischen Mythologie gleich mehrfach zu finden (s. Rigani, Gáinne, Deirdre). Es zieht sich seit Chrétien durch die Artusromane des Mittelalters (s. auch „Tristan und Isolde“) wie auch der Neuzeit. [1]

Eine Reihe von fünf zusammenhängenden höfischen Prosa-Romanen aus dem Mittelalter, der sogenannte Prosa-Lanzelot, auch Vulgata-Zyklus genannt, ist eine der Hauptquellen der Artussage, derer sich die Autoren des Mittelalters bis hin zu Thomas Malory bedienten. Die Romane wurden im Zeitraum 1200 bis 1235 auf altfranzösisch verfasst. Fast alle Artusdichtungen zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert beruhen auf diesem Inhaltsgerüst. Eine Episode daraus ist z.B. „Der Karrenritter“, die Malory übernommen hat. Bei Malory bilden die Abenteuer des Lanzelot und die Suche nach dem Heiligen Gral den Hauptteil.

Eine Quelle des  Vulgata-Zyklus ist die Historia Regum Britanniae von Geoffrey von Monmouth. Die hier geschilderten Erzählungen über König Arthur wurden umgeschrieben und um viele Details und Nebengeschichten ergänzt.

Der fünfteilige Zyklus besteht aus folgenden Romanen:

1. Estoire del Saint Graal, „Geschichte vom Heiligen Gral“

2. Merlin und Suite du Merlin, „Fortsetzung von Merlin“

3. Lancelot del Lac, „Lancelot vom See“ (entstanden um 1215 bis 1225)

4. Queste del Saint Graal, „Suche nach dem Heiligen Gral“ (entstanden um 1220 bis 1225)

5. Mort le Roi Artu, „Tod des Königs Artus“ (entstanden um 1225 bis 1235)[2]

„Der mittelalterliche Romanzyklus um Lancelot und den Gral ist in seiner mittelhochdeutschen Fassung zugleich auch der erste deutsche Prosaroman. Mit einem bis dahin unerhörten Aufwand an epischer Phantasie führt er die episodische Welt der klassischen Artus-Romane zu einem enzyklopädischen Ganzen zusammen und interpretiert sie neu.
Die Wirkung des Prosalancelot auf die europäische Literatur ist schwerlich zu überschätzen: Zu Anfang des 13. Jahrhunderts in Frankreich entstanden, wurde er in zahlreichen, kostbar illuminierten Abschriften, Übersetzungen und Bearbeitungen in alle Literatursprachen des Spätmittelalters verbreitet. Unmittelbar nach dem französischen Original begonnen, entstand die ganz eigenständige mittelhochdeutsche Fassung in einem äußerst langwierigen Prozess.
[3]

 

[1] Vgl. Botheroyd (1992, S. 192)

[2] Quelle: Wikipedia

[3] Quelle: Klappentext von „Die tragische Liebesgeschichte von Lancelot und Ginover“, Prosalancelot I und II, Insel Verlag, Frankfurt am Main 2006, ISBN 9783458171881, Gebunden, 2393 Seiten, 49,80 EUR

 

 

 

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© Sabine Speer